Montag, 8. August 2011

Das Fazit

Das Fazit aus den beschriebenen Persönlichkeitsanteilen, vom Positivdenker bis zum Langweiler, die jeder von uns bis zu einem bestimmten Grade in sich trägt, zitiere ich Paul Wazlawick:

„Mehr von demselben bewirkt das Gegenteil von dem, was beabsichtigt war“.

Übertreibungen jeglicher Art bewirken niemals etwas Hilfreiches oder Konstruktives. Im Gegenteil, sie tragen ganz erheblich zu mehr Missverständnissen bei und lassen keine realistische Kommunikation, im Sinne vom Erkennen der Tatsachen, zu.

Immer ist Verdrängung im Spiel. Die Bandbreite reicht von Beschönigungen wie, „das wird schon wieder werden…“ oder „es ist doch alles in Ordnung….“bis hin zu fanatischen Behauptungen, die stets beinhalten, so und nicht anders ist es, alles andere ist zu verdammen.

Meistens werden positive aber auch negative Übertreibungen wie „das wird schon wieder werden, denk einfach an etwas Schönes, leg die schlimmen Gedanken einfach erst einmal weg….“ usw. oder auch Drohungen wie „wenn du dich nicht bald mal richtig anstrengst, dann sollst du mal sehen, was dann passiert“ eigentlich in „guter“ Absicht dahergesagt, trotzdem spürt der jeweilige Empfänger solcher Bemerkungen, dass es so eigentlich nicht sein kann.

Ängstliche, unselbständige Persönlichkeiten neigen tragischerweise dazu, solchen „Mist“ zu glauben. Sie wiegen sich dann in seliger Sicherheit oder bekommen Panik-Attacken. Auch wieder gleich zwei Übertreibungen!

Der Volksmund sagt: „Man muss den Tatsachen ins Auge blicken“. Stimmt! Wenn man das getan hat, zugegeben, was Mut erfordert, kommt relativ schnell die Lösung.

Dienstag, 19. Juli 2011

Die Langweiler

Die Langweiler haben diesen Namen erhalten weil sie l a n g w e i l i g sind. Sie selber wissen es, die anderen auch. Seine  Motivation? Die Antwort der Langweiler lautet: „Ich will niemanden auf die Nerven gehen“, „Ich will niemanden zu nahe treten“, „ich will mich nicht aufdrängen, nicht  in den Vordergrund spielen“.  Die anderen kennen alle Verhaltensweisen, alle Antworten, alle Bemerkungen, er ist also berechenbar, vorhersehbar. Zugegeben, das ist bequem, aber langweilig, weil sich ständig alles wiederholt. Er denkt,  er liebt seine Routine, seine Gewohnheiten, seine sich immer wiederholenden Ansichten, seine aus wenig dürren Worten bestehenden Sätze. Er hält sich für absolut zuverlässig, trotzdem ist er fast nie wichtig.

Ja, er wird eingeladen und auch in Betrieben eingestellt, er ist also nicht wirklich einsam, weil er ungefährlich ist, weil er nichts von sich gibt, was nicht opportun wäre, weil ihn niemand interessant findet und er nicht „abgeworben“ werden könnte.  

In Wirklichkeit will er als brav gelten. Anständig und brav sein bedeutet für ihn unantastbar zu sein, nicht kritisiert zu werden, keine Rüge zu bekommen und er kann sich selbst dann für perfekt halten. Ob die anderen es auch tun interessiert ihn wenig oder gar nicht. 

Leute, die sich klar und deutlich äußern, frei und offen sprechen, sich spontan und ungezwungen verhalten sind ihm höchst unangenehm. Fragen wie „Wo soll das hinführen, was soll daraus werden, was kommt später auf mich zu, welche ungewollte Verpflichtung gehe ich womöglich ein…“, gehen ihm durch den Kopf und er ist froh über sich selbst, nicht so geschwätzig und unberechenbar zu sein. Das entspricht nicht seiner Vorstellung von einem ordentlichen, zuverlässigen, korrekten Mensch. Das zu sein, ist sein höchstes Ziel.

Donnerstag, 16. Juni 2011

Die "Zauberhaften"

Diese Persönlichkeit ist nicht häufig vertreten, aber man begegnet ihnen hin und wieder einmal. Sie tauchen die Welt in ein „rosa Licht“, lassen uns träumen, alles Schwere ein wenig leichter sehen, Hoffnung und Zuversicht stellen sich ganz unmerklich wieder ein, wir können wieder lächeln…

Ein bezaubernder Mensch verbreitet eine märchenhafte Atmosphäre, er kann sehr bildhaft, anschaulich erzählen, durchzogen von häufigen und treffenden Vergleichen, seine Stimmlage gleicht der eines orientalischen Geschichtenerzählers, alle Zuhörer „erleben“ es quasi mit, was er erzählt. Um ihn herum wird es mäuschenstill. Wir fühlen uns geborgen und wohl, ganz so, als wäre die Welt um uns herum voller Wunder und Überraschungen, alles ist möglich.

Stellen Sie sich einmal vor, ein Lehrer/in oder ein Zahnarzt hätte ein wenig von dieser Persönlichkeit in sich. Wäre das nicht schön?

Nun kennen wir aber auch die Verzaubernden. Sie können uns, gleich der bösen Fee im Märchen, regelrecht verzaubern. Sie wollen einem ein „X für ein U“ vormachen. Wollen uns Dinge glauben lassen, die fern der Realität sind, die uns in Unkosten stürzen, uns auf eine falsche Fährte führen. Sie gleichen dem Fuchs im Märchen von Pinocchio, der dem armen Pinocchio weismacht, wenn er Goldstücke in ein Feld einpflanzt, dann wachsen ihm Goldstücke, so viel er will.

Wonach sehnen sich die „Zauberhaften“? Nach mehr Liebe und Gerechtigkeit.
Und auch nach Macht, die Welt nach ihren Vorstellungen verändern zu können.

Der „Nein“ Sager

Der Neinsager ist überzeugt davon, damit besonders intelligent, progressiv, kritisch und interessant zu wirken. Er ist zunächst einmal dagegen. Er hat „Biss“, denkt er, manch anderer übrigens auch. Er will es  anderen nicht zu leicht machen, er will nicht als Versager gelten, verkompliziert selbst einfache Zusammenhänge und Entscheidungen, wirkt aggressiv, kalt, unnahbar, unbestechlich, meist schlecht gelaunt, manchmal haben seine Mitmenschen sogar Angst vor ihm und sind gefügiger ihm gegenüber als sie es normalerweise sind.

Genau das will der Neinsager, denn sein innigster Wunsch ist Anerkennung.

Er glaubt, wenn er  Fehler aufspürt, und er ist gut darin, besonders solche, die andere machen, ist er wichtig, ja unentbehrlich und besonders wach. Nein, ihn führt keiner hinter’s Licht, und würde es  jemandem gelingen, müsste er sich sogleich, aber mit noch mehr Eifer, auf einen neuen Fehler stürzen, um wieder „Nein“ sagen zu können.

Sein Lebenselixier besteht darin, andere oder anderes als falsch dastehen zu lassen, damit er glänzen kann.

Das macht er recht geschickt, denn manchmal hat er keine schlechte Laune, dann kann er sehr charmant lächeln und sogar seinen Arm um jemandes Schulter legen und mit sanfter, leiser Stimme, so also hätte er Kreide gefrühstückt, sagen „liebe Frau, lieber Herr  XY, ich verstehe Sie ja, aber so können wir das leider nicht machen, Sie verstehen…?

Der Empfänger solch’ seltener „Liebkosungen“ fühlt sich natürlich geschmeichelt, endlich hat er mich einmal verstanden, und gibt natürlich nach.

Manch’ Neinsager dreht seine Strategie ins Gegenteil um, man hört ihn immer mit sanfter, liebenswürdiger Stimme und bittenden Augen einen Wunsch äußern, den ihm natürlich niemand abschlagen kann…, bis auf das eine Mal, wenn sein Gegenüber einmal "Nein" sagt, dann wird der Neinsager deutlich und stellt sein Gegenüber vor eine Alternative, die keine ist, um gleich wieder mit lieblicher Stimme zu fragen, haben wir uns jetzt verstanden?

Der „Ja“ Sager

Der Jasager ist überzeugt davon, damit am besten durchs Leben zu kommen, denn er sucht in erster Linie nach Sicherheit. Sicherheitshalber sagt er zu allem erst einmal „ja“. Der Gesprächspartner nimmt natürlich an, der Jasager sei mit ihm einer Meinung, das freut ihn und er spricht munter weiter, stets begleitet von einem vielsagenden Kopfnicken und dem sich in Variationen wiederholendem  „Ja“, ja selbstverständlich, oh ja, ja, bin ganz ihrer Meinung, aber ja doch, es kann nicht anders sein, das ganze begleitet von entsprechenden Handbewegungen und zum Schluss ein bejahender Handschlag mit der Bestätigung, ich bin ganz auf ihrer Seite. (Wo soll er auch sonst sein?!) Wenn die erste Euphorie über das nette Gegenüber langsam verfliegt, was einige Wochen oder auch länger dauern kann, wird der Gesprächspartner stutzig. Das kann doch gar nicht sein, denkt er sich insgeheim, ich habe so viele verschiedene Themen angeschnitten und immer ist der andere meiner Meinung? …

Er ist es natürlich nicht. –   Und nun kommt die Überraschung, zunächst nimmt man an, der andere traut sich vielleicht nicht seine Meinung zu sagen, aber weit gefehlt, in aller Regel hat der Jasager keine  Meinung. Er will auch keine haben. Was er hat, ist Angst. Angst vor allem und jedem. Und diese Angst will er sich nicht eingestehen, seinem Gegenüber noch viel weniger. Angst einen Fehler zu machen, Angst nicht gemocht zu werden, Angst sich zu blamieren, Angst ein Außenseiter zu sein, Angst vor Verantwortung, denn der Jasager lässt durch sein ewiges Ja sagen die Entscheidung immer beim Anderen. Angst vor einer privaten Partnerschaft, denn dabei müsste er einen „Part“, ein Teil, übernehmen und zu diesem Teil auch stehen oder ihn verteidigen.
Das alles will der Jasager nicht, er fühlt sich bestenfalls als ausführendes Organ sicher und wenn`s schiefgeht, dann sind die anderen dran schuld.

Nun gibt es im Business, in der Politik, in der Familie, beim Militär oder in der Schule nicht so selten Vorgesetzte oder Oberhäupter, die Jasager gern um sich scharen. Bei der Auswahl ihrer jeweiligen Mitarbeiter oder Partner,  wobei das Wort in diesem Fall nicht so ganz stimmt, entscheiden sie sich häufig für einen Jasager es sei denn, der Vorgesetzte hat wirklich einen „Part“ zu vergeben. Dann kann er sich einen solchen nicht leisten. Und so wie der Jasager keine Verantwortung übernehmen will, so wird er auch niemals die Lorbeeren bekommen, die bekommt sein Vorgesetzter…

Der Negativdenker

Er ist derjenige, der sich ständig  Sorgen macht, denkt er. Sorgen um sich selbst, um andere, um die Welt…

In Wirklichkeit will er nicht enttäuscht werden und versucht lieber im Voraus Fehlern, Missständen und sonstigen Katastrophen auf die Spur zu kommen. Er ist ständig auf einem Katastrophenvermeidungskurs und glaubt allen Ernstes, er könnte das Negative dadurch vermeiden.


Er ist der „Schwarzseher“, der sich verbissen, unermüdlich und voller „guter Absichten“ auf der Jagd nach Fehlern schier aufopfert. Je mehr Sorgen er sich macht, desto weniger tut es seine Umgebung. Schließlich muss ja ein Gegengewicht zu seiner Schwarzseherei gesetzt werden. So schlepppt er sich durch’s Leben, gleich Atlas, der die Last der Welt auf sich genommen hat, nach dem Motto „Einer muss es ja tun“.


Stellt sich die Frage, warum tut ein Mensch so etwas, wonach strebt er, was sucht er?

Er strebt danach, ernst genommen zu werden, will auch einen wichtigen Beitrag leisten, ist überzeugt davon, wenn man es sich schwer macht, dann ist man auch wichtig.


Mütter wenden diese Katastrophenvermeidungsstrategie sehr gerne an, wenn sie ihre Kinder, gleichgütig ob kleine oder große, aus ihrer Obhut entlassen müssen. Z.B. wenn sich das kleinere Kind allein auf den  Schulweg macht, dann „räumen“ viele Mütter gedanklich alle möglichen Gefahrenquellen dadurch aus dem Weg, dass sie sich „das Schlimmste“ vorstellen, damit es nicht passiert. Diese Strategie wenden natürlich nicht nur Mütter sondern auch mütterlich / fürsorglich veranlagte Personen auf alle nur erdenklichen Situationen an, und sie tun es wirklich gern, um Schlimmes zu vermeiden.


Hier einige der gängigsten Beispiele:

Die Vorstellung der totalen Verarmung, z.B. durch Jobverlust als Hartz VI-Empfänger, geächtet von allen mit seinem einzigen Freund, dem Fernseher, dahin zu vegetieren.


Die Vorstellung einer schlimmen unheilbaren Krankheit, z.B. Krebs, Gefäßverengung, Bluthochdruck, Diabetes bis hin zu HIV-positiv.


Der Vorstellung einer Pleite, ob geschäftlich, partnerschaftlich, durch Immobilien oder sonstige Investitionen z.B. Kapitalanlagen.

Die Vorstellung, in Ungnade zu fallen, z.B. beim Arbeitgeber, beim Vermieter, im Freundeskreis, in der Familie.


Die Vorstellung, nicht schön genug zu sein, z.B. durch Übergewicht, schlechte Haut, hässliche Zähne oder dünne Haare.

Die Vorstellung, nicht intelligent genug zu sein und dadurch keine Aussicht auf einen einigermaßen respektierten Job zu haben.


Solche Vorstellungen werden dann mit Akribie unter die Lupe genommen und analysiert…bis, ja eigentlich bis alles neutralisiert ist und die Gefahr mal wieder gebannt ist.

Auch eine Möglichkeit der Lebensbewältigung, wenn auch eine sehr anstrengende, undankbare und von der Umwelt wenig geschätzte Methode.


Übrigens, Negativdenker halten sich für die eigentlichen Lebenskünstler, denn sie werden häufiger als andere positiv überrascht.

Der Positivdenker

Der Positivdenker fühlt sich auf eine gewisse Art und Weise den anderen gegenüber überlegen.

Er ist überzeugt davon, Kraft seiner positiven Gedanken die Welt und sein Schicksal nach seinem Willen lenken zu können. Der Positivdenker sieht das nicht nur als eine Technik an, die man in schweren Zeiten durchaus anwenden sollte, er ist vollkommen überzeugt davon, wenn er es nicht lenkt, dann tut es keiner.

Alles, was ihm geschieht, führt er auf seine eigenen Gedanken zurück, im Guten wie im Bösen. Geschieht etwas nach seinen Vorstellungen, dann, so glaubt er, hat er richtig gedacht, denn er hält sich für den ausschließlichen Schöpfer seines Schicksals. Geschieht etwas, was seinen Vorstellungen nicht entspricht, ob das nun positiv oder negativ ist bleibt einmal dahingestellt, dann, so bildet er sich ein, war seine Schöpferkraft nicht stark genug oder nicht genau genug.

Er negiert den sog. Schatten, die dunkle Seite, die Polarität weil er sich diesem unberechenbarem „hin und her“ entziehen möchte. 

Sein Motto lautet: „Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heitren Stunden nur“

Im Grunde genommen leidet er an einem Minderwertigkeitskomplex. Er nimmt es sich selbst übel, nicht Herr über das Universum zu sein und als einziger die Geschicke lenken zu können. Zumindest sucht er nach einem „Trick“, und er ist überzeugt davon diesen auch zu finden, wie es zu bewerkstelligen ist, nur noch das zu erleben, was in seiner Vorstellung dem Positiven entspricht.

Zugegeben, damit hat er eine Lebensaufgabe, die ihn beschäftigt hält. Das sein Wunsch schlichtweg nichts in der materiellen Realität verloren hat, das kann und will er nicht glauben. Dann wäre er ja, wie all die Anderen, verschiedenen unkontrollierbaren Einflüssen ausgeliefert und auch er müsste damit fertig werden. Das traut er sich selbst eigentlich nicht zu und deshalb bleibt er Positivdenker.

Eine positive Grundhaltung  ist natürlich gut und richtig ganz besonders dann, wenn alle uns zur Verfügung stehenden Mittel der Einflussnahme ausgeschöpft sind.