Donnerstag, 16. Juni 2011

Der „Nein“ Sager

Der Neinsager ist überzeugt davon, damit besonders intelligent, progressiv, kritisch und interessant zu wirken. Er ist zunächst einmal dagegen. Er hat „Biss“, denkt er, manch anderer übrigens auch. Er will es  anderen nicht zu leicht machen, er will nicht als Versager gelten, verkompliziert selbst einfache Zusammenhänge und Entscheidungen, wirkt aggressiv, kalt, unnahbar, unbestechlich, meist schlecht gelaunt, manchmal haben seine Mitmenschen sogar Angst vor ihm und sind gefügiger ihm gegenüber als sie es normalerweise sind.

Genau das will der Neinsager, denn sein innigster Wunsch ist Anerkennung.

Er glaubt, wenn er  Fehler aufspürt, und er ist gut darin, besonders solche, die andere machen, ist er wichtig, ja unentbehrlich und besonders wach. Nein, ihn führt keiner hinter’s Licht, und würde es  jemandem gelingen, müsste er sich sogleich, aber mit noch mehr Eifer, auf einen neuen Fehler stürzen, um wieder „Nein“ sagen zu können.

Sein Lebenselixier besteht darin, andere oder anderes als falsch dastehen zu lassen, damit er glänzen kann.

Das macht er recht geschickt, denn manchmal hat er keine schlechte Laune, dann kann er sehr charmant lächeln und sogar seinen Arm um jemandes Schulter legen und mit sanfter, leiser Stimme, so also hätte er Kreide gefrühstückt, sagen „liebe Frau, lieber Herr  XY, ich verstehe Sie ja, aber so können wir das leider nicht machen, Sie verstehen…?

Der Empfänger solch’ seltener „Liebkosungen“ fühlt sich natürlich geschmeichelt, endlich hat er mich einmal verstanden, und gibt natürlich nach.

Manch’ Neinsager dreht seine Strategie ins Gegenteil um, man hört ihn immer mit sanfter, liebenswürdiger Stimme und bittenden Augen einen Wunsch äußern, den ihm natürlich niemand abschlagen kann…, bis auf das eine Mal, wenn sein Gegenüber einmal "Nein" sagt, dann wird der Neinsager deutlich und stellt sein Gegenüber vor eine Alternative, die keine ist, um gleich wieder mit lieblicher Stimme zu fragen, haben wir uns jetzt verstanden?

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