Donnerstag, 16. Juni 2011

Bewusstsein

Im Unterbewusstsein ist die Vergangenheit eines Menschen und zum Teil die seiner Vorfahren gespeichert. Es entsteht ein Wiederholungsprozess, immer wiederkehrende Situationen bestimmen das Leben. Wenn wir mehr aus dem Bewusstsein leben würden, wäre dieser Wiederholungsprozess zwar nicht sofort beendet, aber er würde eine immer geringere Rolle spielen.

Sehr viele Menschen fühlen sich an ihre Vergangenheit regelrecht gebunden , manche sind sogar stolz darauf, was deutlich wird, wenn sie sich ständig auf ihre Erziehung berufen, auf ihre guten, klugen, allwissenden oder aber strengen, ungerechten Eltern oder auf ihre Ausbildung, ihren Beruf.

Oft hört sich das dann so an, als „dürften“ z.B. Ingenieure oder Mathematiker nur in Zahlen oder technischen Fakten denken und sprechen, alles Menschliche wie Gefühle wird als verpönt empfunden – spätestens bei der Partnersuche wird es dann schwierig. Lehrer wirken oft wie Besserwisser, sie setzen sich selbst damit unter Druck, alles wissen zu müssen. Kreative sind häufig sehr eigensinnig. Im Sozialbereich Tätige geben gern ungefragte Ratschläge – die dann das wert sind, was sie kosten - Theologen versuchen immer mild und freundlich zu wirken, sprechen leise und bedächtig, obwohl sie innerlich voller Wut oder Empörung sind.
Die ewigen „Kinder“ wollen alles immer noch so machen, wie sie es von Mutti gelernt haben, sie wollen ganz genau gesagt bekommen, was sie zu tun und zu lassen haben, dann sind sie zufrieden. Im Beruf oder in der Partnerschaft wundern sie sich dann, wenn sie immer in untergeordneter Position bleiben. Eine andere Gruppe in der „Kinderabteilung“ sind die „bockigen“ Kinder. Alles, was die Eltern, die Lehrer, der Staat usw. sagen oder gesagt haben, ist falsch! Alles, was sie selbst denken und sagen, ist richtig! Das kann schwierig werden, aber auch diese Gruppe kann ins Bewusstsein finden. Hier passt der Spruch: „Ein Mensch ist dann erwachsen, wenn er etwas tut, obwohl es seine Eltern gesagt haben“.

Wie gesagt, Menschen, die aus dem Unterbewusstsein leben, leben aus der Vergangenheit und in Wiederholungen. Es ist fast so, als würden sie in einem Zug fahren und ständig über das nachdenken, was sie vor vielen Stationen gesehen und erlebt haben. Die jetzige Station wird kaum wahrgenommen. Dann fährt der Zug weiter und sie fangen an über kommende Stationen zu lesen, zu diskutieren, zu schwärmen und zu streiten, obwohl noch niemand dort war. Irgendwann kommt diese viel diskutierte Station und, so hatten sie sich das aber nicht vorgestellt..., und der gleiche Prozess geht weiter, man erzählt sich nach vielen weiteren Stationen von dieser Station und schließt auf die nächsten Stationen.

Die Gegenwart wird so nur peripher wahrgenommen. Ist ein Mensch im Bewusstsein und nicht „in Gedanken“, nimmt er die ganze Gegenwart wahr. Und – nimmt er wirklich die Gegenwart wahr, kommt er automatisch ins Bewusstsein. Ist er dagegen ständig in Gedanken, also in der Vergangenheit oder in der Zukunft, werden Entscheidungen fast zur Qual. Das ist nachvollziehbar, denn er kann ja nur das wieder erleben, was er schon einmal, zumindest ähnlich, erlebt hat. Eine Entscheidung kann er nur aufgrund der vergangenen Erfahrung treffen, die Gegenwart bleibt jedes mal außen vor. Die ersehnte Spontaneität fehlt gänzlich, denn diese entsteht nur aus der Gegenwart, aus dem Bewusstsein heraus.

Ein Mensch, der als interessant, unterhaltsam, authentisch und erfrischend empfunden wird, ist häufig im Bewusstsein. Naheliegend, er hat es leichter, in allen Lebensbereichen, als z.B. der ewige Zauderer. Dieser wägt alles so lange ab, bis nichts mehr übrig ist und dann ist er auch noch stolz auf sich, für seine weise Voraussicht.

Viele Vorgesetzte gehen ähnlich vor und wundern sich dann, wenn nichts oder zu wenig geschieht. Die Mitarbeiter sind nicht motiviert, sie langweilen sich oder sind gestresst, weil sich ewig „die gleiche Leier“ wiederholt. Manchmal handeln Vorgesetzte auch zu oft aus dem Gefühl heraus und halten das dann für Spontaneität. Dann entsteht Hektik und Spannung, es ist wie Achterbahn fahren. Oder, das trifft mehr auf Freischaffende zu, sie sind absolut eigensinnig. Auch das ist schwer zu ertragen, weil ihre Ideen losgelöst sind von allen Üblichkeiten.

Nicht nur die Gedanken, auch die sich wiederholende Gefühle kommen aus dem Unterbewusstsein, also aus der Vergangenheit.

Auch Stress, ein häufig empfundener Zustand, entsteht aus mangelndem Bewusstsein, aus mangelndem „Sein“ in der Gegenwart.

Bei beidem hilft also oft, sich auf die Gegenwart zu besinnen.

Bitte, fassen Sie diesen Text nicht dahingehend auf, als „sollten“ Sie nie mehr in Gedanken oder Gefühlen in der Vergangenheit oder Zukunft sein oder schwelgen. Ganz und gar nicht. Aber, versuchen Sie oft genug, immer wieder, in die Gegenwart zu kommen, besonders dann, wenn Sie sich mal wieder nicht entscheiden können.

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