Der Positivdenker fühlt sich auf eine gewisse Art und Weise den anderen gegenüber überlegen.
Er ist überzeugt davon, Kraft seiner positiven Gedanken die Welt und sein Schicksal nach seinem Willen lenken zu können. Der Positivdenker sieht das nicht nur als eine Technik an, die man in schweren Zeiten durchaus anwenden sollte, er ist vollkommen überzeugt davon, wenn er es nicht lenkt, dann tut es keiner.
Alles, was ihm geschieht, führt er auf seine eigenen Gedanken zurück, im Guten wie im Bösen. Geschieht etwas nach seinen Vorstellungen, dann, so glaubt er, hat er richtig gedacht, denn er hält sich für den ausschließlichen Schöpfer seines Schicksals. Geschieht etwas, was seinen Vorstellungen nicht entspricht, ob das nun positiv oder negativ ist bleibt einmal dahingestellt, dann, so bildet er sich ein, war seine Schöpferkraft nicht stark genug oder nicht genau genug.
Er negiert den sog. Schatten, die dunkle Seite, die Polarität weil er sich diesem unberechenbarem „hin und her“ entziehen möchte.
Sein Motto lautet: „Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heitren Stunden nur“
Im Grunde genommen leidet er an einem Minderwertigkeitskomplex. Er nimmt es sich selbst übel, nicht Herr über das Universum zu sein und als einziger die Geschicke lenken zu können. Zumindest sucht er nach einem „Trick“, und er ist überzeugt davon diesen auch zu finden, wie es zu bewerkstelligen ist, nur noch das zu erleben, was in seiner Vorstellung dem Positiven entspricht.
Zugegeben, damit hat er eine Lebensaufgabe, die ihn beschäftigt hält. Das sein Wunsch schlichtweg nichts in der materiellen Realität verloren hat, das kann und will er nicht glauben. Dann wäre er ja, wie all die Anderen, verschiedenen unkontrollierbaren Einflüssen ausgeliefert und auch er müsste damit fertig werden. Das traut er sich selbst eigentlich nicht zu und deshalb bleibt er Positivdenker.
Eine positive Grundhaltung ist natürlich gut und richtig ganz besonders dann, wenn alle uns zur Verfügung stehenden Mittel der Einflussnahme ausgeschöpft sind.
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